Montreal

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Am Morgen des 16. Mai 2006 bin ich zu einer kurzen Konferenzreise zur Jahrestagung der World Association for Public Opinion Research (WAPOR) nach Montreal, Quebec, Kanada aufgebrochen. Hier ist mein Reisebericht mit Bildern. Weil ich in Montreal kaum Zeit hatte und das Wetter sehr schlecht war, stammen die meisten Fotos von Hin- und Rückflug - wie es bei einem Flugzeug- und Flug-Fan wie mir ohnehin nicht anders zu erwarten war.

Inhaltsverzeichnis

Hinweg

Mainz - Amsterdam

Meine Reisen in fremde Länder beginnen in der Regel recht profan an einer Bushaltestelle in Mainz. Im Vordergrund mein bescheidenes Gepäck.

Bushaltestelle "Draiser Straße" in Mainz

Von Frankfurt/Main (EDDF/FRA) ging es dann mit einer Fokker 100 von KLM Cityhopper nach Amsterdam Schiphol. Start über die 25 R des Flughafens Frankfurt. Irgendwo über Deutschland habe ich mal aus dem Fenster fotographiert.

Irgendwo über Deutschland, fotographiert von Platz 09A der Fokker 100

Amsterdam Schiphol ist ein riesiger und leicht unübersichtlicher Flughafen. Was mich etwas gestört hat, war, daß die Sicherheitskontrolle direkt beim Boarding erfolgte, und nicht auf dem Weg zum Gate. Da wurde dann ein größerer Aufwand betrieben, um sicherzustellen, daß z.B. Business-Class-Reisende und Leute mit einem bestimmten Status als Vielflieger zuerst durch die Sicherheitskontrolle konnten. Diese Leute waren aber unter den ca. 350 Passagieren breit verteilt, so daß es ziemlich chaotisch zuging.

Betrieb auf dem Flughafen Schiphol

Der Langstreckenflug

Das nächste Verkehrsmittel war dann eine MD-11 der KLM namens Maria Montessori. Leider war die APU ausgefallen und die Klimaanlage funktionierte am Boden nicht. Dadurch wurde es im Innern der Maschine so heiß, daß ich bis zum Start völlig durchgeschwitzt war. Tolle Aussichten für einen siebenstündigen Flug über den Atlantik...

Die MD-11 "Maria-Montessori" in Amsterdam Schiphol
"Maria Montessori"

Der Flug ging zunächst in nordwestlicher Richtung über England und Irland hinweg. Nach ca. anderthalb Stunden war das Flugzeug dann über dem Atlantik, laut Board-Informationssystem ca. 900km/h über Grund schnell und ca. 11.500 Meter hoch. Für ca. drei Stunden waren unten nur Wasser oder Wolken zu sehen. Und Eisberge kurz vor Erreichen der Kanadischen Küste. Leider sind die Fotos der Eisberge nichts geworden - nur weiße Flecken zu erkennen.

Der Nordatlantik von oben, fotographiert vonm Platz 36A

Dann erreicht man die Kandische Küste und fliegt lange über seenreiches Gebiet. Auf den Seen schwammen gelbliche Klumpen. Aus 11 Kilometern Höhe sah das aus wie eine Pfütze, die mit Blütenstaub bedeckt ist. Vermutlich waren die Seen einfach noch mit Eis bedeckt.

Seen in Kanada
Seen in Kanada

Unterwegs gab es reichlich zu essen und zum Glück auch zu trinken - nach der Sauna-Orgie vor dem Start und durch die trockene Luft im Flugzeug hatte ich fast ständig Durst. Mir ist ein Rätsel, wie mein Sitznachbar da auch noch zwei Fläschchen Weißwein trinken konnte - ich bin bei Wasser und Orangensaft geblieben. Die Holländer "kochen" recht gut, als Hauptmahlzeit gab es Huhn mit einer scharfen Soße. Schon auf dem Weg nach Amsterdam habe ich ein leckeres Sandwich mit altem Gouda genossen und kurz vor der Ankunft in Montreal gab es noch ein warmes Sandwich mit Zwiebeln und Lauch.

In Montreal regnete es. Beim Bremsen mit der Schubumkehr wurde eine unheimlich große und turbulente Wasserwolke vor den Triebwerken aufgewirbelt. Leider darf man während der Landung nicht fotographieren; ich hätte auch gern dokumentiert, wie nah in Montreal am Flughafen Wohnhäuser stehen. Wie in London. Ist sicher billiger Wohnraum, man muß sich nur an das Donnern der Flugzeuge gewöhnen...

Montreal

Am Flughafen mußte ich erklären, wer ich bin und was ich in Kanada will. KLM hatte mir schon in Frankfurt eine Bestätigung ausgehändigt, daß ich zwei Tage später wieder abfliegen würde. Außerdem mußte ich angeben, welche "Güter" ich mitbringe, die für die Ausübung meines Berufes wichtig seien. Um nichts falsch zu machen, habe ich angegeben: Eine CD-ROM und einen USB-Stick. War aber wohl doch falsch, die Dame von der Einreisebehörde hat die Angabe einfach durchgestrichen und den Kopf geschüttelt. Vermutlich war die entsprechende Kategorie für Handelsreisende gedacht, die z.B. größere Mengen Computerchips oder Edelsteine mitführen und nicht für Wissenschaftler, die bloß einen Vortrag halten wollen. Aber da angekündigt worden war, das Gepäck könne durchsucht werden, wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen :-)

Ich hatte dann - wie die ganze Reise über - leichte Probleme mich zurechtzufinden. In Montreal ist es offenbar nicht üblich aussagekräftige Schilder aufzustellen. Das wird allerdings dadurch ausgeglichen, daß die Leute sehr freundlich sind und gern und ausführlich erklären, was man tun muß, um da hinzukommen, wo man hinwill. Und das machen die Leute auch in perfektem Englisch, obwohl Montreal - wie ganz Quebec - eigentlich frankophon ist. Ein Bus mit einem sehr freundlichen Fahrer hat mich dann über den zentralen Busbahnhof zum Hotel gebracht. Unterwegs hat er sich mit ein paar US-Amerikanern angelegt, die sich lauthals über die fehlenden Schilder und Informationen zum Busverkehr in Montreal beschwerten. Er hat ihnen dann aber doch noch ganz freundlich erklärt, wie sie weiter zu ihrem Ziel kommen.

In Montreal sind die Straßen in einem ziemlich schlechten Zustand. Überall aufgebrochener Asphalt und tiefe Pfützen und Schlaglöcher. Manche Hauptstraßen sehen aus, wie eine Nebenstraße in Duisburg oder ein Feldweg in Sachsen-Anhalt bei uns...

Ich wohnte im Konferenzhotel, dem Marriott Chateau-Champlain. In einem Zimmer mit einem King-Size Bett. Keine Ahnung, wofür man derart riesige Betten braucht - ich habe auf etwa einem Drittel der Fläche hervorragend geschlafen.

Kingsize-Bett in meinem Hotelzimmer

Die Aussicht aus dem Fenster meines Zimmers im achten Stockwerk war nicht so berauschend. Eine Großbaustelle und ein Parkplatz; im Hintergrund das Industriegebiet und die Hafenanlagen. Bei Regen sehen auch Weltstädte nicht so besonders aus...

Baustelle in Montreal, von meinem Hotelfenster aus fotographiert

Wegen der Konferenz bin ich erst am 18. Mai vor dem Rückflug dazu gekommen, mir etwas die Stadt anzusehen. Leider begann es in Strömen zu regnen, so daß ich nur ein Foto von der Stadt machen konnte. Ganz interessant ist, daß Montreal fast komplett untertunnelt ist. Man kann in der Innenstadt durch ein Labyrinth von Fußgängertunneln viele Orte trockenen Fußes erreichen. Die Tunnel, die ich benutzt habe, waren allerdings menschenleer und wirkten im weißen Neonlicht leicht unheimlich, zumal sie wirklich alptraumhaft verzweigt und verwinkelt sind.

Platz in Montreal bei beginnendem Regen
Fußgängertunnel
Zugangsbauwerk unter dem Hilton-Hotel zum Tunnelsystem

Rückweg

Auf dem Rückweg stellte ich zunächst fest, daß der Flughafen Montréal-Pierre Elliott Trudeau, CYUL/YUL viel zu klein ist. Alles überfüllt, überall lange Schlangen. Und natürlich kein Hinweis, wo man den Check-In-Schalter von KLM wohl finden könnte. Da KLM zu Air-France gehört, habe ich mal dort nachgesehen und tatsächlich: Neben den Air-France-Schaltern waren die von KLM. Beim Einchecken wurde ich gefragt, ob ich Waffen oder Messer im Handgepäck hätte. Als ich das verneinte, bekam meine Aktentasche eine Banderole mit der Aufschrift "KLM approved carry-on baggage". Wie nett.

Verkehrsmittel für den Rückflug war wieder die MD-11 "Maria Montessori". Da der Flug durch die (sehr kurze und wenig erholsame) Nacht führte, habe ich unterwegs lediglich ein Stimmungsbild kurz vor Sonnenuntergang schießen können. Den beeindruckenden Sonnenaufgang habe ich lieber nicht fotographiert, weil ich nicht weiß, was meine Kamera davon hält, wenn man direkt in die Sonne knipst.

Die "Maria Montessori" vor dem Rückflug auf dem Flughafen Montreal
Sonnenuntergangsstimmung auf dem Rückflug, fotographiert von Platz 37 A

Der Start erfolgte mit einer Stunde Verspätung wegen nicht näher definierter technischer Probleme. KLM sollte seine Flugzeuge mal anständig warten lassen. Erst eine kaputte APU und dann ein "technisches Problem". Hm.

Die Landung in Amsterdam war recht heftig: Anflug über die Nordsee bei starkem Südsturm und sintflutartigem Regen aus tiefhängenden schwarzen Wolken. Ich persönlich kann das Rütteln und Rollen, Hoch und 'Runter bei so einem Anflug gut leiden. Menschen mit Flugangst dürften sich ein bißchen gestreßt gefühlt haben.

Beim Einstieg in die Fokker 70, mit der die letzte Etappe zurück nach Frankfurt bestritten wurde, mußte ich meine Aktentasche und mich selber sehr gut festhalten, weil der Südsturm wirklich monströs blies. Der Start war aber erstaunlich ruhig - im Gegensatz zur Landung in Frankfurt bei heftigen Böen. Das kleine Flugzeug wurde noch viel stärker als die große MD-11 durchgeschüttelt und als das Flugzeug knapp über der Landebahn nochmal kräftig in alle Richtungen geworfen wurde, dachte ich schon, der Pilot müsse durchstarten. Er hat es aber geschafft, sicher auf der 25 L des Flughafens Frankfurt aufzusetzen.

Vom Rest der Reise ist noch zu berichten, daß es einen ganz fürchterlich anko**en kann, wenn man 6.000 Kilometer gereist ist und 30 Stunden nicht geschlafen hat und dann die S-Bahn am Flughafen nicht kommt.

Zwei Tage nach meiner Rückkehr habe ich die angestaute Müdigkeit jedoch gut überwunden.

Fazit

Montreal ist eine Reise wert. Man sollte aber länger dableiben als nur zwei Tage und sich - bei hoffentlich besserem Wetter - Zeit nehmen, die Stadt und das Umland zu erkunden. Außerdem hat mir ein Kanadier einen Abenteuer-Urlaub am Yukon empfohlen. Mal drüber nachdenken.

Fliegen würde ich gern wieder mit KLM - auch wenn ich die beengten Platzverhältnisse in der MD-11 nicht besonders einladend fand. Der Service und das Essen waren wirklich gut.

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